PGN...

Grischuk, A. - Gelfand, B.
Corus (Wijk aan Zee NED), 24.01.2002

Runde 10 [Kindermann]


1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4.Sf3 Sxe4 5.d4 d5 6.Ld3 Ld6 dieser aktive Zug, der in einigen Abspielen zu sehr scharfem und konkretem Spiel fuehrt ist deutlich weniger populaer als das modische 6...Le7.
7.O-O O-O 8.c4 c6 9.Dc2 Der derzeit aktuelle Versuch, den ewig weit ausanalysierten Hauptabspielen zu entkommen.
[9.cxd5 cxd5 10.Sc3 Sxc3 11.bxc3 Lg4 12.Tb1 Sd7 13.h3 Lh5 14.Tb5 Sb6 15.c4 Lxf3 16.Dxf3 dxc4 17.Lc2 ist die Ausgangsposition zum theoretischen Duell im Hauptabspiel]
9...Sa6 10.a3 f5 Seltsames Zusammentreffen, dass sowohl Gelfand als auch Piket in derselben Runde zu diesem alten und fast vergessenen Zug greifen!
[10...Lg4 war bisher die theoretische Empfehlung.
11.Se5! Lxe5 dies galt bisher als kritisches Abspiel, anscheinend erhaelt Weiss jedoch gute Angriffschancen. Die Alternativen erscheinen jedoch ebenfalls nicht sonderlich verlockend fuer den Nachziehenden:
(11...Lf5 12.b4 Dh4 13.Sc3 Sc7 14.Sf3 Dh5 15.Sxe4 dxe4 16.Lxe4 Lxe4 17.Dxe4 Tfe8 18.Dd3 Se6 19.Le3 Tad8 20.Tfe1 a6 21.Tad1 h6 22.h3 b5 23.Dc2 bxc4 24.Dxc4 Db5 25.Tc1 Tc8 26.Sd2 Sf4 27.Dxb5 axb5 28.Tc2 Sd5 29.Sb3 Ta8 30.Txc6 Lf4 31.Sa5 Sxe3 32.g3 Sf5 33.Txe8+ Txe8 34.gxf4 Sxd4 35.Tc5 Te1+ 36.Kg2 Ta1 37.Sc6 Se6 38.Txb5 Txa3 39.Se7+ Kh7 40.Sd5 1/2-1/2 Shirov,A-Adams,M/Sarajevo BIH 2000 (40))
(11...Lh5 12.cxd5 cxd5 13.Sc3 Sxc3 14.bxc3 Kh8 15.f4 Lxe5 16.fxe5 Lg6 17.a4 Dd7 18.La3 Tfe8 19.Lxg6 fxg6 20.Db3 b6 21.Ld6 Sc7 22.Tf3 Tac8 23.Taf1 h6 24.Dc2 Dg4 25.Tg3 Dh5 26.Th3 Dg5 27.Tg3 Dh5 28.Lxc7 Txc7 29.Txg6 Dh4 30.h3 Dxd4+ 31.cxd4 Txc2 32.Tf7 Tg8 33.Td6 Tc4 34.Txd5 Txa4 35.Tdd7 Ta1+ 36.Kf2 Ta2+ 37.Kf3 Kh7 38.e6 Kg6 39.d5 Tc8 40.Tc7 Te8 41.g4 a5 42.Txg7+ Kf6 43.Tgf7+ Ke5 44.Tf5+ Kd4 45.e7 1-0 Kasparov,G-Shirov,A/Wijk aan Zee A 2001 (45))
12.dxe5 Sac5 13.f3 Sxd3 14.Dxd3 Sc5 15.Dd4 Sb3 16.Dxg4 Sxa1 17.Lh6 g6 18.Sc3 Db6+ 19.Tf2 Tfe8 20.Df4 f5 21.cxd5 Sb3 22.e6 cxd5 23.Sxd5 Dxe6 24.Sc7 Dc6 25.Sxe8 Txe8 26.g4 Dc5 27.Kg2 Sd4 28.b4 De5 29.Td2 Dxf4 30.Lxf4 Se6 31.Le3 a6 32.gxf5 Sg7 33.Lc5 Sxf5 34.a4 Se3+ 35.Kf2 Sc4 36.Td7 Se5 37.Txb7 Sd3+ 38.Kg3 Sxc5 39.bxc5 Tc8 40.Tb6 Txc5 41.Txa6 Kg7 42.Ta7+ Kh6 43.Tb7 Tg5+ 44.Kh3 Th5+ 45.Kg2 Th4 46.a5 Ta4 47.Tb5 g5 48.Tb6+ Kh5 49.a6 g4 50.f4 Ta2+ 51.Kg1 g3 52.h3 Tc2 53.Tb7 Ta2 54.Tg7 Txa6 55.Kg2 h6 56.Kxg3 Ta3+ 57.Kg2 Ta2+ 58.Kf3 Kh4 59.f5 Kxh3 60.f6 Ta1 61.Kf4 Tf1+ 62.Ke5 h5 63.Tg5 h4 64.Tf5 Te1+ 65.Kf4 Tf1+ 66.Kg5 Tg1+ 67.Kh6 Tg8 68.Tg5 Tf8 69.Kg7 Ta8 70.f7 Kh2 71.Kf6 Tf8 1/2-1/2 Shirov,A-Leko,P/Linares 2000 (71)]
11.Sc3 Grischuk will die Spannung im Zentrum und damit den Druck auf d5 aufrecht halten, was die schwarze Handlungsfreiheit beschraenkt.
[11.c5 ein prinzipie ller und verpflichtender Zug. Weiss hofft, unter guenstigen Umstaenden zu Se5 nebst f2-f3 zu kommen, was ihm Vorteil einraeumen wuerde. In Anbetracht der schwarzen aktiven Ressourcen ist dies jedoch kein leichtes Unterfangen.
11...Lb8 12.Sc3 Sc7 13.Se2 Se6 die typische Umgruppierung, hier hat der schwarze Springer d4 und f4 im Auge und kann gegebenenfalls von g5 aus das Startsignal zum Koenigsangriff geben.
14.b4 Df6 15.Lb2 Ld7 16.Tae1 Le8 sehr direkt und konsequent, taucht dieser Laeufer auf h5 auf, wird Weiss praktisch zum Sprung nach e5 genoetigt. Die Einschaetzung der daraus entstehenden Konsequenzen bedingt die Stellungsbeurteilung.
17.Dc1 Lh5 18.Se5 ein kritis cher Moment, klar ist, dass Schwarz auf d4 schlagen sollte, um die labile Stellung des Springers auf e5 zu nutzen. Soll er jedoch vorher auf e2 schlagen oder nicht?
18...Lxe2 Piket waehlt den prinzipiellsten Zug, der einen "echten" Bauern gewinnt.
(18...Sxd4!? waere wahrscheinlich meine Wahl gewesen
19.Lxd4 (19.Sd7? verliert auf drastische Art.
19...Lxh2+! 20.Kxh2 Dh4+ 21.Kg1 Sf3+ 22.gxf3 Lxf3) 19...Lxe5 20.Lxe5 Dxe5 21.f3 Sf6 22.Kh1! Nun wird Wei ss den Bauern auf f5 zurueckerobern, doch ist die danach entstehende Position nicht so klar.
22...Tae8 (22...Tfe8!?) 23.Sf4 Dd4 24.Lxf5 Lf7)
19.Lxe2 Sxd4 20.Sd7! Dh4 21.Sxb8 Sxe2+ 22.Txe2 Taxb8 23.f3 Nachdem sich die Rauchschwaden etwas verzogen haben, verfuegt Weiss in Form seines gewaltigen Laeufers und der e-Linie ueber betraechtliche Kompensation fuer den Bauern. Sicherlich kann nicht unbedingt behauptet werden, dass Weiss objektiv im Vorteil ist, doch seine Stellung ist in der Praxis leichter zu spielen.
23...Sf6
(23...Sg5!?)
24.Tfe1 h6
(24...Tfe8? 25.Lxf6)
25.h3 Morosewitsch hat keine Eile,da nicht recht ersichtlich ist, wie Schwarz den Druck abschuetteln soll.
25...Tf7 26.Te6 Td8 27.Le5 Sh7 28.Ld6 Sg5
(28...Sf8!?)
29.Te8+ Txe8 30.Txe8+ Kh7 31.Le5 Dh5 32.De3 Dg6 33.Kh1 f4 aktiv, aber auch riskant, da der Bauer auf f4 sehr schwach wird.
(33...Td7!? 34.Ld4 Se4 35.Te5 Sg3+ 36.Kg1 doch auch hier wird Schwarz den weissen Druck nicht recht los und muss sich aufs Abwarten verlegen. Zuggebenermassen gibt es jedoch auch fuer den Weissen keinen offensichtlichen Plan, die Position weiter zu verstaerken.)
34.De2 Td7?! ueberschaetzt in Zeitnot den d-Bauern
(34...Se6 35.Lc3 Sf8)
35.Lxf4 jetzt kommt Weiss in Vorteil
35...d4 36.De5 d3 37.Ld2 das schwarze Spiel geht nicht mehr weiter, waehrend der Springer ein Sorgenkind bleibt.
37...Sf7 38.Df4 b5 39.Kh2 h5 40.De4! ein sehr starker Zug, nach Damentausch wird sich der weisse Koenig um den d-Bauern kuemmern, waehrend der schwarze Springer von den weissen Figuren voellig dominiert wird.
40...Dxe4 41.fxe4 h4 42.Kg1 mit fruehzeitiger Kapitulation, doch ist keinerlei guter Plan fuer Schwarz ersichtlich, waehrend Weiss den Koenig nach e3 bringt und dann entweder mit dem Turm den schwarzen d-Bauern abholt oder den eigenen e-Bauern vorrueckt. Ein gutes Beispiel fuer das unerhoert tiefgruendige und originelle Positionsspiel von Alexander Morosewitsch! 1-0 Morozevich,A-Piket,J/ Wijk aan Zee NED 2002/[Kindermann] (42)]
11...Sc7 12.Te1
[12.c5 Le7 13.Se2 Lf6 14.Sd2 Se6 15.Sb3 Ld7 16.f3 Le8 17.Kh1 g6 18.Lh6 Sg7 19.fxe4 fxe4 20.Lxe4 dxe4 21.Sc3 Lf7 22.Sxe4 Le7 23.Sc3 Lc4 24.Txf8+ Dxf8 25.Sa5 Df7 26.Lxg7 Kxg7 27.Sxb7 Tf8 28.h3 Df6 29.Te1 Tf7 30.Se4 Dh4 31.Dc3 Ld5 32.Sbd6 Lxd6 33.Sxd6 Tf2 34.De3 Txg2 35.De5+ Kh6 36.Sf7+ Lxf7 37.Kxg2 Ld5+ 38.Kg1 Dxh3 39.Dh2 1-0 Sutovsky,E-Volzhin,A/Ohrid EM 2001 (39)]
12...Kh8 13.b4 Ld7 14.Lb2 Grischuks Aufstellung macht einen guten Eindruck, scheinbar kann Schwarz den Damenspringer jetzt nicht aktivieren...
14...Se6!? eine sehr in teressante Entscheidung oder gar Hausanalyse? Fuer den geopferten Bauern erhaelt Schwarz gefaehrliche Angriffschancen.
15.cxd5 cxd5 16.Sxd5 Tc8 eine schwere Entscheidung fuer Weiss, welches Damenfeld soll er waehlen. Eine am Brett kaum optimal zu bewaeltigende Aufgabe, da taktische Detailsausschlagge bend sind, die in allen Abspielen viele Zuege weit in der Zukunft liegen.
17.Dd1
[17.Db3 S6g5]
[17.De2 Lc6 18.Se3 Sf4 19.Df1]
17...S6g5 18.Se5 Die prinzipiellste Fortsetzung, wenn jetzt "nichts geht", steht Weiss klar besser...
[18.Sxg5 Dxg5 gibt Schwarz gefaehrliche Angriffschancen]
18...Sh3+! leitet einen starken und originellen Angriff ein.
19.gxh3 Dg5+ 20.Kf1 Lxe5 21.dxe5 soweit so klar, doch wie geht es weiter?
21...Lc6
[21...Dh4!? kam ebenfalls in Betracht
22.Te2 Dxh3+ 23.Ke1 Dxh2]
22.Lc1 eine vernuenftige Entscheidung, Grischuk provoziert eine Remisabwicklung. Sehr gefaehrlich sind die Alternativen:
[22.Lxe4 fxe4 23.Txe4 Lb5+ 24.Te2 Df5]
[22.Se3 Df4 23.Lxe4
(23.Te2 Dxh2 24.Ke1 Dh1+ 25.Sf1 Sg5)
23...fxe4 24.Sg4 Tcd8 25.De2 Td2 26.De3 Dxe3 27.Txe3 Txb2]
22...Dh4 23.Lxe4 fxe4 24.Le3 Die Pointe, von e3 aus stabilisiert der Laeufer den wackligen weissen Koenigsfluegel.
24...Dxh3+
[24...Tcd8 25.Dg4 Dxg4 26.hxg4 Txd5 27.Lxa7]
25.Kg1
[25.Ke2? Lb5+ 26.Kd2 Txf2+ 27.Lxf2 Dd3#]
25...Lxd5 forciert das Remis
[25...Tcd8? 26.Sf4]
26.Dxd5 Dg4+ 27.Kf1 Dh3+ 28.Kg1 Dg4+ kurz, aber faszinierend und theoretisch bedeutsam!


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